Viele Frauen kennen das Gefühl: Der Alltag ist voll, der Stress groß – und plötzlich fragt man sich, ob da überhaupt noch Platz für Lust, Nähe und Erregung ist. In solchen Momenten fühlen wir uns oft unsicher oder schuldig: „Bin ich zu abgelenkt?“ oder „Liege ich vielleicht falsch?“ Dabei ist das völlig normal. Studien zeigen: Sexualität und Vergnügen sind für die meisten Menschen ein wichtiger Teil des Lebens. In einer Umfrage gaben rund vier von fünf Personen an, dass ihnen Freude, Vergnügen und sinnliche Lust sehr wichtig sind. Zugleich berichten viele Frauen, sich während des Sex wegen ihres Körpers unwohl zu fühlen – etwa jede vierte Frau schämt sich häufig beim Liebesspiel, weil sie über ihr Aussehen nachdenkt.
Diese Zahlen verdeutlichen: Du bist keineswegs allein mit deinen Fragen. Die eigene Lust wird in unserer Kultur oft noch verschämt betrachtet. Wie eine ZEIT-Reportage nüchtern feststellt: „Sex ist ein Tabuthema. Oder genauer: Lust ist ein Tabuthema.“ Das mag erstaunen, wo doch in Werbung und Sozialen Medien nackte Körper allgegenwärtig sind. Doch über echte Bedürfnisse und Vorlieben spricht man selten offen. Der erste Schritt raus aus der Scham ist daher zu erkennen: Deine Lust ist ganz normal und hat etwas Positives – nicht etwas, wofür du dich schämen müsstest.
Fakten-Check: Was Forschung und Statistik sagen
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Sexuelle Gesundheit fördert das Wohlbefinden. Die große GeSiD-Studie der BZgA und des UKE zeigt: Wer eine befriedigende Sexualität lebt, fühlt sich auch insgesamt gesünder und zufriedener. Sexuelle Gesundheit wird dort als wichtiger Teil des allgemeinen Wohlbefindens gesehen. Das heißt: Deine Lust ist kein Luxus, sondern Teil deiner Gesundheit.
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Der „Orgasm Gap“ ist real. Typischerweise erleben Männer häufiger einen Orgasmus als Frauen. In einer repräsentativen Umfrage gaben 48 % der Männer an, beim Sex immer zum Orgasmus zu kommen, aber nur 18 % der Frauen. Global betrachtet erreichen sogar nur rund 20 % der Frauen beim heterosexuellen Verkehr regelmäßig einen Höhepunkt (bei 49 % der Männer). Diese Statistik bedeutet nicht, dass mit dir etwas nicht stimmt: Vielmehr zeigt sie, dass beim Sex oft die weiblichen Bedürfnisse zu kurz kommen. Entschärft wird dieser Unterschied durch gezielte klitorale Stimulation; etwa 50 % der Frauen geben an, beim Koitus zusätzliche Stimulation zu brauchen, um zum Orgasmus zu kommen.
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Lust kann auch ohne Orgasmus erfüllend sein. Nicht jeder Sex muss mit einem Höhepunkt enden. In derselben ORF-Umfrage sagten etwa 70 % der Befragten, dass ihnen sexuelle Erregung allein, auch ohne Orgasmus, schon Lust bereitet. Das heißt: Der Weg ist wichtig, nicht nur das Ziel. Wenn du also einmal nur Erregung spürst und keinen Orgasmus, kann das genauso lustvoll sein. Perfektion ist hier nicht gefragt.
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Stress als Lust-Killer. Viele kennen es: Ist man innerlich angespannt oder müde, verschwindet die Lust. In der Pandemie zeigten Umfragen sogar, dass manche Menschen mehr Zeit für Zweisamkeit hatten und dadurch ihre Sexualität intensiver ausleben konnten. Denn umgekehrt kann Stress die sexuelle Lust merklich senken. Sich also hin und wieder bewusst zu entspannen, schafft Raum für Erregung.
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Schamgefühle sind weit verbreitet, aber überwindbar. Wie oben erwähnt, traut sich etwa jede 4. Frau nicht, sich im Moment der Erregung richtig wohlzufühlen. Das ist in unserem Umfeld weit verbreitet. Wenn wir jedoch offen darüber sprechen und einander zuhören, verliert das Thema viel von seinem Schrecken. Es hilft zu wissen: Deine Wünsche und Fantasien sind völlig normal.
Praktische Tipps für mehr Lust im Alltag
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Körperbewusstsein mit einfachen Übungen stärken: Schaffe dir täglich einen kleinen Moment, in dem du deinen Körper bewusst wahrnimmst. Eine einfache Übung ist etwa die Beckenschaukel: Leg dich dafür auf den Rücken, die Beine angewinkelt, und rolle dein Becken ganz sanft auf und ab, als würdest du leicht „wippen“. Atme dabei tief ein und aus und spüre, wie der Boden sich unter dir bewegt. Diese Bewegung lockert die Muskeln im Unterleib und lenkt die Aufmerksamkeit auf Bauch und Becken. Ähnliche Achtsamkeitsübungen (z.B. Beckenboden-Kreisen im Sitzen, bewusstes Atmen in der Schambereichgegend) helfen, wieder in Kontakt mit deiner Lust zu kommen. Schon wenige Minuten können ausreichen, um Anspannung zu lösen und das Körpergefühl zu vertiefen.
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Offene Kommunikation üben: Sprich ehrlich über deine Bedürfnisse – mit deinem Partner, deiner Partnerin oder einer vertrauten Freundin. Du musst dabei kein Profi sein: Kleine Sätze wie „Mir gefällt, wenn…“ oder „Ich würde gerne mal…“ reichen aus. Wichtig ist, dass du deine Wünsche ohne Scham formulierst. Oft merken andere gar nicht, was dir wirklich gut tut, wenn wir es ihnen nicht sagen. Auch gemeinsame Fantasie- oder Spielideen können auf dem Tisch landen. Notiere dir vielleicht vorher, was du schon immer mal ausprobieren wolltest. All das baut Barrieren ab. Im Austausch erkennst du: Auch andere haben ähnliche Fragen und lernen dazu.
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Sinnliche Rituale schaffen: Lust wächst oft dann, wenn wir uns bewusst Zeit für uns nehmen, auch außerhalb des Schlafzimmers. Kleine, sinnliche Rituale können helfen: Zünde zum Beispiel eine Kerze mit einem angenehmen Duft an, lege leise Musik auf oder gönn dir ein warmes, entspannendes Bad. Beim Eincremen oder Duschen nimmst du deine Haut bewusster wahr. Massiere dich selbst sanft am Hals, an den Brüsten oder am Bauch. Oder küsse dich leicht selbst um die Schultern und den Nacken. Lächeln und wohlriechende Lotion können schon leichte Effekte auslösen. Auch Körperberührungen zusammen mit der Partnerin/dem Partner (oder einer Freundin als Alltagstraining) können Spaß machen. Selbstbefriedigung ist ebenfalls völlig in Ordnung: Wenn du deinen eigenen Körper besser kennst, fällt es leichter, zu sagen, was dir gefällt. Erkunde dich ganz ohne Leistungsdruck: Du darfst genießen, ohne etwas „erreichen“ zu müssen.
Neugierig geworden? In meinem kostenlosen Workshop „Tabulos – Lust auf Genuss“ am Montag, 26.01. um 20:00 – 21:30 Uhr vertiefen wir diese und weitere Übungen gemeinsam – natürlich in geschütztem Rahmen. Dort tauschen wir uns aus, räumen alte Mythen aus dem Weg und sammeln noch mehr Inspiration für den Alltag.
Fazit: Erlaube dir Entspannung und Freude
Lust ist kein Leistungsdruck, sondern eine natürliche Kraft, die dich entspannt, belebt und mit dir selbst verbindet. Gib dir die Erlaubnis, deine Bedürfnisse ernst zu nehmen und auszuprobieren, was dir gefällt. Wenn du spürst, dass Gedanken an vorherige Erfahrungen oder „muss ich so sein“-Ideen kommen, atme tief durch und nimm sie mit einem Lächeln wahr – dann verschwinden sie oft von selbst. Du musst nicht funktionieren oder perfekt sein. Im Gegenteil: Neugier und Offenheit helfen dir, neue Facetten deiner Sexualität zu entdecken.
Trau dich, ganz ehrlich zu dir selbst zu sein. Erinnere dich daran: Du verdienst es, dich wohlzufühlen und Genuss zu erleben. Damit gibst du deinem Körper und deinem Geist Raum zur Erholung und Neuentdeckung. Sexuelle Selbstbestimmung bedeutet, dass du nichts erreichen musst – genieße jeden Schritt auf dem Weg.
🌟 Tabulos – Finde zurück zu Deinem Genuss & Orgasmus
Hand aufs Herz: Funktioniert Dein Körper nur noch oder spürst Du ihn wirklich? Filomena schafft einen geschützten Raum, in dem Scham keinen Platz hat und Genuss wieder erlaubt ist.
Das nimmst Du mit:
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Raus aus dem Kopf („So muss ich sein“), rein in Deinen Körper.
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Wissensimpulse: Was Lust und Libido wirklich brauchen (jenseits von Mythen).
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Die „Beckenschaukel“: Eine Mini-Übung für sofort mehr Verbindung zu Deiner Weiblichkeit (inkl. Audio für zu Hause).






