Schuld vs. Scham: Was in unserem Körper wirklich passiert
Lass uns die Begriffe Schuld und Scham einmal klar voneinander trennen. Schuld sagt eigentlich: „Ich habe einen Fehler gemacht.“ Das ist unangenehm, aber wir können die Verantwortung dafür übernehmen, es klären und reparieren.
Bei uns Frauen kippt dieses Verantwortungsgefühl aber rasend schnell in Scham. Scham sagt nicht: „Ich habe einen Fehler gemacht“, sondern: „Ich BIN ein Fehler.“ Wenn dieser Scham-Schalter umgelegt wird, passiert in unserem Körper etwas Faszinierendes und extrem Anstrengendes und das erklärt, warum wir uns in solchen Momenten oft so hilflos fühlen. Forschungen zeigen, dass bei Scham dieselben Gehirnregionen feuern wie bei existenzieller Angst.
Da wir historisch und gesellschaftlich oft darauf konditioniert sind, den Raum für andere angenehm zu machen und emotionale Harmonie zu wahren, empfinden wir eine Störung dieser Harmonie rasch als unser persönliches Versagen. Studien (wie die des Psychologen Wolfgang Kalbe) bestätigen, dass Frauen Scham oft deutlich intensiver erleben als Männer, besonders dann, wenn persönliche Grenzen überschritten werden und wir uns hilflos fühlen.
Anstatt wütend zu werden oder klare Grenzen zu ziehen (was unser gutes Recht wäre!), springt unser Schamgefühl an. Wir hinterfragen uns selbst, passen uns an und nehmen uns wieder ein Stückchen mehr zurück. Die Scham hält uns in der Kleinheit fest.
Es darf auch leichter sein!
Wenn Frauen spüren, dass sie an diesem Thema arbeiten wollen, haben sie oft Angst, dass Therapie bedeutet, tief im Schmerz und in alten Traumata graben zu müssen. Es herrscht der Glaube: „Heilung muss schwer und anstrengend sein.“
Aber weißt du was? Es darf auch leicht sein. Selbstentwicklung und Therapie bedeuten nicht, dass wir uns jeden Tag schmerzhaft unsere Wunden ansehen müssen. Es geht vielmehr darum, den schweren Rucksack endlich abzusetzen. Es geht um Entlastung. Es geht darum, wieder durchzuatmen, zu lachen und zu spüren, wie wunderbar unbeschwert sich das Leben anfühlen kann, wenn man nicht mehr für den emotionalen Haushalt der ganzen Welt zuständig ist.